Jemenchamäleon von Sabine Wenzel
Jemenchamäleon von Sabine Wenzel

Der „Drache“ in der Stube

Egal ob Schlangen, Chamäleons oder Geckos – der Trend zur Reptilienhaltung ist ungebrochen. Warum viele der Tiere am Ende im Tierheim landen, erklärt Peter Hofer von den „Reptilienfreunden Tirol“.

 

Von Miriam Hotter

Thaur – „Exotische Tiere zu halten, ist eine Modeerscheinung“, erklärt Peter Hofer aus Thaur, als er sein Chamäleon mit einem Stück Banane füttert. Der 30-Jährige ist Obmann des Vereins „Reptilienfreunde Tirol“ und kennt die Probleme, die dieser Trend nach sich zieht. Die meisten Reptilien oder Amphibien würden nach kurzer Zeit in Tierheimen abgegeben werden – oder überforderte Besitzer klopfen an seine Tür und suchen Rat.

„Das liegt daran, dass die Menschen in Tierhandlungen nicht ausreichend informiert werden“, meint der Thaurer. Oft werde vor dem Kauf eines Reptils nicht bedacht, wie alt diese Tiere werden können. „Ein Leopardengecko kann bis zu 25 Jahre alt werden. Wer sich so ein Tier zulegt, muss sich also bewusst sein, dass er für sehr lange Zeit die Verantwortung dafür übernimmt“, nennt Hofer ein Beispiel.

In dieser Zeit müssten bestimmte Mindestanforderungen eingehalten werden. Jede Tierart habe nämlich ihre eigenen Kriterien, die der Besitzer beachten muss. „Es liegt am Tierhalter selbst, sich darüber zu informieren“, so der 30-Jährige. Was aber für die meisten Tiere gilt, ist die Meldepflicht. „Binnen 14 Tagen muss man Reptilien und Amphibien ausnahmslos anmelden. Die Anmeldung kostet aber nichts“, weiß Hofer. Besitzer aus Innsbruck müssen exotische Tiere beim Stadtmagistrat angeben, in allen anderen Bezirken ist die jeweilige Bezirkshauptmannschaft zuständig.

Nur wirbellose Tiere wie Spinnen oder Insekten können auch ohne Anmeldung gehalten werden. „Laut dem Österreichischen Verband für Vivaristik und Ökologie sind in Tirol etwa 1200 Reptilien und Amphibien angemeldet“, meint der Thaurer. Die Dunkelziffer dürfte aber viel höher sein.

Hofer und seine Freundin Sabine Wenzel sind selbst stolze Besitzer von fünf Pfeilgiftfröschen, zwei Laubfröschen, sechs Geckos, zwei Mantis (eine Art Gottesanbeterin) und einem Jemenchamäleon. Für deren Pflege benötigen die beiden – abgesehen von genügend Platz in der Wohnung – ausreichend große Terrarien, die mit genügend Wärme und Luftfeuchtigkeit versorgt werden müssen. „Das Chamäleon benötigt am Tag 30 Grad Wärme und eine Luftfeuchtigkeit von bis zu 80 Prozent“, erklärt Wenzel, die ihren „Fridolin“ für 80 Euro erworben hat. In der Nacht braucht das Reptil eine Temperatur zwischen 23 und 25 Grad. Wichtig sei ein punktueller Strahler, unter dem sich das Chamäleon auch untertags aufwärmen kann. „Das tun die Tiere auch in der Wüste, halt nur unter der Sonne“, weiß Wenzel.

Die Fütterung überlässt die 27-Jährige ihrem Freund. Heimchen, Schokoschaben, Fruchtfliegen, Mehlwürmer und Heuschrecken stehen bei den Tieren ganz oben auf der Speisekarte. „Daran muss man sich erst gewöhnen“, meint die Verkäuferin.

Bis zu 60 Zentimeter kann ein Jemenchamäleon groß werden. „Viele aber wissen vor der Anschaffung nicht, wie groß ihr Tier werden kann“, sagt Wenzel. Eine Wasserschildkröte zum Beispiel sei beim Kauf meist nur etwa sechs Zentimeter groß – nach einigen Monaten würden diese Tiere auf bis zu 40 Zentimeter heranwachsen. Oft werden die Schildkröten dann im Baggersee in Innsbruck ausgesetzt.

„Ein Problem ist auch, dass die Tiere relativ günstig zu haben sind“, erklärt Hofer. Ein Skorpion sei bereits um 15 Euro erhältlich. „Da ist die Verlockung groß, einen Spontankauf zu machen.“

Um solche Spontankäufe zu verhindern, haben Hofer und Wenzel vor einem Jahr den Verein „Reptilienfreunde Tirol“ gegründet, der 18 aktive Mitglieder zählt. „Wir wollen Aufklärungsarbeit leisten und verhindern, dass Tiere ausgesetzt oder in Tierheimen abgegeben werden“, sagt Wenzel. Informieren möchte der Verein unter anderem bei seiner ersten Reptilienausstellung vom 20. April bis 5. Mai im Botanischen Garten in Innsbruck. „Alle Vereinsmitglieder werden ihre Tiere zeigen. Es wird auch die weltgrößte Vogelspinne, die Teraphosa, zu sehen sein“, freut sich Hofer.

Radiointerview, ausgestrahlt am 15.02.2014

ORF Radio Tirol "Viecherei" mit Lydia Gallo Gau
viech_chamaeleon_277650.mp3
MP3 Audio Datei 2.4 MB

Chamäleons - Drachen in Farbe

Sie wirken wie Fabelwesen aus einer anderen Welt. Chamäleons sind wie lebende Drachen, die wir sonst nur aus Literatur und Filmen kennen. Immer mehr Menschen erliegen ihrer Faszination. Als Haustiere sind Chamäleons in unseren Breiten aber nur sehr schwer zu halten.

Chamäleons haben viele Geheimnisse und sie können Dinge, die fast an Wunder grenzen. Sie sind Meister der Tarnung und der Verwandlung. Innerhalb weniger Sekunden verzaubern sie sich von vermeintlich grauen oder brauen Steinbrocken und knorrigen Ästen zu leuchtend grünen, blauen, roten oder schwarzen kleinen Drachen. Sie können ihre Augen unabhängig voneinander in alle Richtungen drehen. Und sie können mit ihrer Zunge, die doppelt so lang ist wie ihr Körper, Insekten regelrecht abschießen, um sie dann zu verzehren. Fliegen wie die Fabelwesen können sie zwar nicht, durch das Aufpumpen ihrer Lungen können sie große Sprünge aber fast schwebend meistern. Viele Gründe also, warum sich immer mehr Menschen für Chamäleons interessieren und sie auch zu Hause halten wollen.

Chamäleon Männchen

Reptilienfreunde Tirol

Ein Chamäleon Calyptratus Männchen in seiner ganzen Pracht.

Die schwierigen Schönheiten

Peter Hofer, Obmann der Reptilienfreunde Tirol, sagt über die Faszination dieser Tiere: „Ihren Farbwechsel zu beobachten, das Häuten zu verfolgen oder sich von ihrem Augenspiel verwirren zu lassen, Chamäleons sind wirklich außergewöhnlich interessant.“ In unseren Breiten sind Chamäleons freilich völlig fehl am Platz. Sie bewohnen bis auf wenige Ausnahmen ausschließlich die sehr warmen Gegenden dieser Welt. Und genau das macht ihre Haltung bei uns so schwierig. Selbst wenn sie als Nachzuchten in Österreich geboren werden, muss ihre Haltung die natürlichen Lebensbedingungen nachahmen: Wärme und genügend Luftfeuchtigkeit, sowie eine starke UV Bestrahlung. Aus diesem Grund ist die Haltung eines Chamäleons aufwändig und teuer, sagt Peter Hofer. Es werde immer wieder unterschätzt, wie viel Strom ein großes funktionierendes Terrarium brauche, sagt er.

Peter Hofer, Obmann Reptilienfreunde Tirol mit Chamäleon

Reptilienfreunde Tirol

Peter Hofer, der Obmann der Reptilienfreunde Tirol mit seinem handzahmen Chamäleon.

Vielseitiger Menüplan

Auch beim Speiseplan der Chamäleons hat Vielseitigkeit oberste Priorität. Hier gibt es keine Kompromisse, sonst vegetiert das Tier dahin und stirbt einen stillen und elenden Tod. Chamäleons brauchen lebende Insekten als Nahrung, die sie als Lauerjäger im Terrarium selbst fangen wollen. Mehlwürmer, Heuschrecken, Heimchen und einiges mehr stehen auf dem Menüplan. Es ist allerdings nicht jedermanns Sache, diese Leckerbissen lebend zu Hause zu halten. Etwas Obst rundet die Ernährung ab. Auch sauberes Wasser muss immer zur Verfügung stehen. Spezielle Zusätze wie Kalzium und Vitamine für ein gesundes Knochenwachstum müssen im Fachhandel besorgt werden.

Chamäleo Calyptratus Weibchen

Reptilienfreunde Tirol

Allein die Zeichnung dieses wunderschönen Chamaeleo Calyptratus Weibchens ist einen zweiten Blick wert.

Das Terrarium als Lebensraum

Im Gegensatz zu vielen anderen Tierarten sollten Chamäleons allein gehalten werden, sagt Peter Hofer, Obmann der Reptilienfreunde Tirol. Nur zur Paarungszeit vertragen sie sich mit Artgenossen. Ihr Terrarium muss groß genug sein und ihren natürlichen Kletterfähigkeiten entgegenkommen. Ein besonders warmer Sonnenplatz darf nicht fehlen. Chamäleons erreichen nicht selten eine Länge von rund 60 Zentimetern, dieser stattlichen Größe muss das Terrarium auch langfristig Rechnung tragen. Immerhin werden gesunde und gut gehaltene Chamäleons locker 15 Jahre alt.

2 Chamäleo namaquensis im Terrarium

Reptilienfreunde Tirol

Junge, wo steckst Du? Ein Chamaeleo namaquensis gut getarnt im Terrarium.

Freilauf mit Auflagen

Chamäleons eignen sich nicht dazu, auf den Schultern ihrer Besitzer durch die Stadt getragen zu werden! Und sie sind auf gar keinen Fall ein Kinderspielzeug. Es ist aber ein großer Vorteil bei Haltung und Pflege, wenn sie handzahm sind, sagt Peter Hofer. So kann man sie immer wieder aus dem Terrarium nehmen, um sie genauer in Augenschein zu nehmen und sich von ihrer Gesundheit zu überzeugen. Eine reibungslose und schnelle Häutung ist zum Beispiel immer auch ein Zeichen, dass es ihnen gut geht. Nichts einzuwenden sei gegen eine halbe Stunde Freilauf in einem warmen Zimmer unter ständiger Beobachtung. „Chamäleons lieben es zum Beispiel, auf einem Baum hinter der Fensterscheibe zu sitzen, wenn die Sonne hereinscheint“, weiß der Fachmann.

Vor Missverständnissen sollte man sich aber hüten: Chamäleons verfallen bei Gefahr in eine Schreckstarre. Wenn sie also alles mit sich machen lassen, heißt das nicht, dass sie besonders zahm sind, sondern dass sie gerade Todesangst haben. Oder sie lassen sich plötzlich fallen, was eine große Verletzungsgefahr darstellt.

Sendungshinweis:

„Radio Tirol am Vormittag"
15. 2. 2014 ab 10 Uhr.

Meldepflicht bei der Bezirkshauptmannschaft

Wie alle Reptilien unterliegen auch Chamäleons dem Washingtoner Artenschutzabkommen und müssen in Tirol bei der zuständigen Bezirkshauptmannschaft angemeldet werden. Nur so ist man legal Besitzer eines dieser außergewöhnlichen Tiere. Auf der Homepage der Reptilienfreunde Tirol kann das entsprechende Formular heruntergeladen werden. Außerdem sind für alle Bezirke die zuständigen Behörden angeführt.

Bei verantwortungsvollen Chamäleon-Haltern sind Wildfänge tabu, abgesehen davon, dass sie illegal sind. Wilde Tiere sind von Transport und Krankheiten meist so geschwächt, dass sie nach kurzer Zeit eingehen. Wer also seriöse Verkäufer sucht, die Nachzuchten anbieten, sollte sich genau erkundigen. Gut sei es, mit anderen Käufern Kontakt aufzunehmen und nachzufragen. Die Reptilienfreunde Tirol haben es sich zur Aufgabe gemacht, Interessierte zusammenzuführen und ihnen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.

Lydia Gallo Gau; tirol.ORF.at